Vom 28.08. bis zum 02.09.2026 nahmen zwei Mitarbeiterinnen des IKPE gemeinsam mit Vorstandmitglied und Institutsleitung Prof. Dr. Jörg Fischer an der TiSSA – The international Social Work and Social Academy – Konferenz in Warschau, Polen, teil. Unter dem Motto „Social Work and Social Pedagogy: Research, Impact and Social Change“ stellten sie ihre jeweiligen Promotionsvorhaben vor und diskutierten diese im Plenum. Gastgeberin war die Maria Grzegorzewska Universität für Pädagogik.

Julia Bäring referierte auf der Vorkonferenz für Doktorand:innen zu ihrer Forschung über Partizipation aus Netzwerkperspektive. Im Kontext der Frühen Hilfen untersucht sie das Verhältnis von institutionellen und privaten Unterstützungsressourcen, um bedarfsgerechte Familienhilfe zu fördern. Ihr Fazit: „Die PhD-Vorkonferenz war eine großartige Gelegenheit, wertvolles Feedback zu erhalten, Ideen auszutauschen und meine Forschung aus verschiedenen Blickwinkeln zu reflektieren.“

Amy-Louise Buse präsentierte ihr Promotionsvorhaben im Projekt „KoNeKi – Kooperation gestalten: Netzwerke im kommunalen Kinderschutz“ (FH Erfurt). Im Austausch mit den Teilnehmenden erläuterte sie den praxisorientierten Ansatz, mit dem rechtliche Vorgaben und Netzwerklogiken der deutschen Kinderschutzpolitik untersucht werden – als nächster Schritt folgt die Analyse, wie diese kommunal umgesetzt werden und welche Gelingensbedingungen und Hindernisse sich dabei zeigen.

Als wissenschaftliches Institut kümmert sich das IKPE satzungsgemäß um die aktive Förderung von Nachwuchswissenschaftler:innen, sodass die vorgestellten Forschungen von den Erfahrungen und Erkenntnissen, die Frau Bäring und Frau Buse am IKPE in ihren Projekten sammeln, profitieren.

Andersherum bereichern ihre Ergebnisse ebenso in die Arbeit des IKPE, über welche sich die Kolleg:innen auf der Konferenz wiederholt mit den Teilnehmenden austauschen konnten. Beide Wissenschaftlerinnen schätzten besonders den internationalen Austausch über Forschungsideen, methodische Umsetzung und den sozialarbeiterischen Praxisbezug. Für die TiSSA-Konferenz 2027 in Tiflis, Georgien, planen die IKPLerinnen erneut eine Bewerbung.

Bildquelle: IKPE e.V.

Der Fachkräftemangel ist längst kein vorübergehender Engpass mehr. In vielen Bereichen der Sozialen Arbeit ist er zu einem strukturellen Phänomen geworden, das die Daseinsvorsorge, Träger, Angebote und Handlungsfelder nachhaltig verändert.

Doch was bedeutet das für die Zukunft? Und vor allem: Welche Lösungen und Handlungsspielräume gibt es?

Diesen Fragen widmen sich Prof. Dr. Jörg Fischer, Institutsleiter des IKPE e.V., Prof. Dr. Gunther Graßhoff und Reinhold Gravelmann als Herausgeber des neuen 8. Sonderbands des Sozialmagazins: „Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit revisited! Der Blick auf Lösungen“.

Der Band nimmt bewusst eine andere Perspektive ein: Nicht die erneute Diagnose des Fachkräftemangels steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Soziale Arbeit unter veränderten Bedingungen handlungsfähig bleiben und Zukunft gestalten kann.

Die Beiträge aus Wissenschaft und Praxis zeigen ein breites Spektrum an Ansätzen: von Ausbildung, Studium, Nachqualifizierung und Quereinstieg über Recruiting, Personalentwicklung und Führung bis hin zu Digitalisierung, KI, internationaler Fachkräftegewinnung und (fach-)politischen Strategien.

Dabei wird deutlich: Den einen Lösungsweg gibt es nicht. Die Herausforderungen sind je nach Handlungsfeld, Region und Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich. Umso wichtiger ist ein differenzierter Blick – und die Bereitschaft, neue Wege zu erproben, Bestehendes weiterzuentwickeln und unterschiedliche Lösungsansätze zusammenzudenken.

„Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit revisited! Der Blick auf Lösungen“ erscheint am 27. August 2026 bei Beltz Juventa.

Ein Band für alle, die den Diskurs über Fachkräfte nicht bei der Problembeschreibung stehen lassen wollen, sondern nach konkreten Perspektiven für Forschung, Praxis und sozialpolitische Gestaltung suchen.

Bildquelle: Beltz Verlagsgruppe

01.07.2026, Erfurt

Wie bleiben Kommunen handlungsfähig, wenn Haushaltsdruck, demografischer Wandel, Daseinsvorsorge und neue Steuerungsanforderungen gleichzeitig bewältigt werden müssen?

Mit dieser Frage haben wir uns auf der IKPE-Jahrestagung am 1. Juli 2026 in Erfurt gemeinsam mit kommunalen und fachpolitischen Akteur*innen beschäftigt. Im Mittelpunkt stand, wie integrierte Sozialplanung, Präventionsketten und Pflegestrukturplanung noch stärker zusammengedacht und erfolgreich in die kommunale Praxis übersetzt werden können.

Drei zentrale Erkenntnisse nehmen wir mit:
Handlungsfähigkeit entsteht durch Weiterentwicklung.
Kommunen bleiben handlungsfähig, wenn sie bewährte integrierte Planungsansätze mit neuen Konzepten verbinden und so soziale Infrastruktur, Prävention und Daseinsvorsorge vorausschauend weiterentwickeln.
Prävention muss auch unter Druck handlungsleitend bleiben.
Gerade bei knappen Ressourcen braucht es einen klaren Blick darauf, welche Angebote vor Ort tatsächlich benötigt werden, wie vulnerable Gruppen erreicht werden und wie präventive Daseinsvorsorge langfristig gesichert werden kann.
Umsetzung gelingt nur gemeinsam.
Datenbasierte Planung, Beteiligung, ressortübergreifende Zusammenarbeit, Sozialraumorientierung und interkommunale Kooperation sind zentrale Voraussetzungen für kommunale Handlungsfähigkeit.

Ein herzlicher Dank gilt der Thüringer Sozialministerin Katharina Schenk für ihr Grußwort, Prof. Dr. Theresa Hilse-Carstensen für den facettenreichen und fachlich fundierten Impuls sowie Prof. Dr. Jörg Fischer für die fachliche Begleitung des Tages, die Eröffnung und die Moderation der Podiumsdiskussion.

Ebenso danken wir allen Teilnehmenden der Podiumsdiskussion und den Praxisexpert*innen an den Thementischen: Stefan Nüßle, Sven Gregor, Ralf Kirsten, Kathleen Lützkendorf, Prof. Dr. Michael Behr, Katja Maurer und Christiane Maurer.

Wir nehmen viele wertvolle Impulse für unsere praxisorientierte Forschung, Prozessbegleitung und den weiteren Austausch mit den Thüringer Kommunen mit. Die Tagung hat erneut gezeigt: Kommunale Handlungsfähigkeit entsteht dort, wo Politik, Verwaltung, Planung und Praxis gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln.

Lesen Sie hier die Dokumentation zur Tagung:

Bildquelle: IKPE e.V.

Gemeinsam mit Beigeordneten, Fachbereichsleitungen und Sozialdezernent*innen aus Thüringen hat das IKPE – unter Leitung von Dr. Heike Schaarschmidt und Prof. Dr. Jörg Fischer sowie Amy-Louise Buse – erstmalig die Tagungsreihe „Gestaltung sozialer Transformation durch kommunale Führungspersonen“ durchgeführt. Tage später folgte ein Fortsetzungsmodul für die Thüringer Jugendamtsleitungen verbunden mit dem Motto „Leitung navigiert Veränderung“. Hierzu bot jeweils das Evangelische Allianzhaus in Bad Blankenburg eine anregende Atmosphäre, die fokussierte Diskussionen sowie kreatives Reflektieren eigener Handlungs- und Denkweisen ermöglichte.

In beiden Veranstaltungsreihen geht es darum, neue Denkweisen zu entwickeln und das eigene Führungshandeln zukunftsorientiert zu gestalten, um komplexe Zusammenhänge besser zu erfassen, zu verstehen und durch vernetztes Handeln kreative Lösungen in den Verwaltungen zu fördern. Wesentlich ist hierbei, sich Anforderungen, Herausforderungen und Chancen durch Perspektivenwechsel – ausgehend von wissenschaftlichen  Theorien – anzunähern, und den gewohnten Blick auf kommunale Praktiken  zu verlassen. Mit Hilfe von selbstdefinierten Visualisierungen, individuellen Reflexionen und Austauschgesprächen in Kleingruppen sowie im Plenum arbeiteten sie heraus, was die Anwesenden mit „Führung“ und „Steuerung“ verbinden. Persönliche Zukunfts-Visionen vom Dezernat/Fachbereich oder vom Jugendamt wurden erörtert und die Frage, wie solche Visionen realisierbar seien. Integrierte Veränderungsprozesse und die eigene Rolle, welche Sie darin einnehmen können sowie welche Spannungsfelder, Polaritäten und potentiellen Lösungsschritte dafür möglich sind, standen im Mittelpunkt. Ein anregender Austausch, durch den gewohnte Arbeitsweisen verlassen werden können.

Vor dem Hintergrund identifizierter Problemstellungen und Lösungsansätze gaben u.a. Prof. Dr. Jörg Fischer und Prof. Dr. Theresa Hilse-Carstensen Einblicke in erste Ergebnisse ihrer Forschung, zur Rolle kommunaler Führungspersonen in der Auseinandersetzung mit der  Gestaltung des sozialen Zusammenhalts. Reflexiv wurde die Bedeutung des sozialen Zusammenhalts für das eigene Führungshandeln herausgearbeitet: Sie sehen sich insbesondere verantwortlich, wenn der soziale Zusammenhalt nicht mehr vorhanden ist. Doch wie kann man es identifizieren und bestenfalls agieren? Wie kann auf das bereits hohe individuelle Anspruchsdenken auf  Leistungen von Staat und Gesellschaft geantwortet werden, ohne diese Erwartungshaltungen fortzuschreiben? Ambivalent, denn zugleich entstehen Fragen nach der Stärkung der persönlichen Verantwortung und Zuständigkeit.

Nach jeweils zwei gut gefüllten Tagen mit Identifikation und Reflexion nach innen und außen, Schweißperlen und gemeinsamen Lachen betonten die Teilnehmenden, wie wertvoll sie den Austausch in diesem vertrauensvollen Rahmen empfunden haben. Wir freuen uns auf die Fortsetzung: Im September und Oktober 2026 wird jeweils ein zweites Modul folgen, zum Teil ergänzt mit eigenen thematischen Anregungen der Teilnehmer*innen, wie sie Führungssituationen begegnen und gestalten.

Wir danken der Auridis Stiftung ausdrücklich; erst durch ihre Förderung wird der direkte Austausch von Führungskräften zu Transformation und Veränderungsprozessen auf kommunaler Ebene in diesem geschützten Raum möglich!

Bildquelle: IKPE e.V.

Die vergangenen Monate standen im Programm „Thüringer Präventionsketten“ ganz im Zeichen von Austausch, Vernetzung und fachlichem Lernen. In verschiedenen Veranstaltungsformaten kamen Kommunen aus Thüringen und anderen Bundesländern zusammen, um Erfahrungen zu teilen und Impulse für die Weiterentwicklung kommunaler Präventionsketten zu gewinnen.

Den Auftakt bildete das Thüringer Online-Fachgespräch „Einblicke in den Offenbacher Aktionsplan gegen Kinderarmut“ am 29.04.2026. Karin Bahlo (Präventionskettenkoordinatorin und Kita-Fachberaterin) und Bernd Hormuth (stellvertretender Amtsleiter des Jugendamtes) aus Offenbach berichteten über die Entwicklung des Aktionsplans, die Arbeit der Steuerungsgruppe sowie den kommunalpolitischen Entscheidungsprozess. Als wichtige Erfolgsfaktoren wurden die hochrangige Verankerung des Themas, eine partizipative Bedarfserhebung sowie die Bündelung relevanter Akteur*innen benannt.

Am 12.05.2026 fand in Bad Hersfeld der erste länderübergreifende Austausch der kommunalen Koordinierenden aus Hessen und Thüringen, organisiert gemeinsam mit der Landeskoordinierungsstelle Präventionsketten Hessen (HAGE), statt. Im Mittelpunkt standen Fragen der Beteiligung von Kindern und Familien, der verwaltungsinternen Zusammenarbeit sowie des Aufbaus kommunaler Präventionsketten. Der Austausch machte deutlich, wie vielfältig die kommunalen Wege zur Gestaltung von Präventionsketten sind.

Die Kooperation zwischen Hessen und Thüringen spiegelte sich auch im dritten Termin der Veranstaltungsreihe „Präventionsketten im Fokus – Erfahrungen von Landkreisen für Landkreise“ am 27.05.2026 wider, an dem rund 60 Interessierte teilnahmen. Einblicke in die Einbindung politischer Entscheidungsträgerinnen in Präventionsketten gaben Myriam Lamotte-Heibroch (Fachbereichsleiterin für Jugend und Familie, Werra-Meißner-Kreis) sowie aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen Monika Simshäuser (Präventionskettenkoordinatorin), Peggy Greiser (Landrätin) und Cornelia Matthes (Fachbereichsleiterin Soziales, Jugend und Gesundheit). Die Praxisbeispiele verdeutlichten, dass Präventionskettenkoordinierende politische Akteurinnen fachlich und menschlich einbinden müssen. Entscheidend sind dabei einfache Zugänge zur Mitarbeit sowie die verständliche Vermittlung des Mehrwerts von Präventionsketten.

Am 09.06.2026 besuchte das Team die vom 23.05. bis 13.06.2026 in der Goethe Galerie gezeigte Kinderrechte-Ausstellung in Jena. Die Wanderausstellung vermittelt Kindern die Inhalte der UN-Kinderrechtskonvention altersgerecht und interaktiv.

Den Abschluss des Quartals bildete das Thüringer Online-Fachgespräch „Kinderbeteiligung leben – Der Kindergipfel des Landkreises Gotha“ am 24.06.2026. Nicole Schüttlöffel-König (Sozialarbeiterin im Jugendamt des Landkreises Gotha) und Andreas Jakob (Jugendamtsleiter des Landkreises Gotha) berichteten über Erfahrungen und Gelingensfaktoren des langjährig etablierten Beteiligungsformats.

Die vielfältigen Stationen der vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig der Blick über kommunale und Landesgrenzen hinweg für die Weiterentwicklung kommunaler Präventionsketten ist.

Bildquelle: IKPE e.V.

Internationale Perspektiven zusammenbringen, voneinander lernen und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken: Vom 4. bis 6. Juni 2026 fanden an der Fachhochschule Erfurt die 12. Erfurter International Social Work Days statt. Unter dem diesjährigen Motto „Co-Building Hope and Harmony: A Harambee Call to Unite a Divided Society“ kamen internationale Partner*innen, Wissenschaftler*innen, Fachkräfte der Sozialen Arbeit und Studierende zusammen, um aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen, Forschungsperspektiven und Praxisansätze zu diskutieren.

Die International Social Work Days stehen seit vielen Jahren für internationalen Austausch, fachlichen Dialog und Begegnung über Ländergrenzen hinweg. In diesem Jahr beteiligten sich Partner*innen und Gäste unter anderem aus Polen, Slowenien, Israel, der Ukraine und den USA an den Diskussionen rund um gesellschaftlichen Zusammenhalt und Soziale Arbeit.

Auch das IKPE brachte sich auf mehreren Ebenen in die diesjährige Veranstaltung ein. Unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg Fischer, Institutsleiter des IKPE sowie Professor an der Fachhochschule Erfurt, wurden die International Social Work Days gemeinsam mit Prof. Dr. Christine Rehklau fachlich und organisatorisch begleitet.

Im Rahmen eines Praxisdialogs stellte Projektleiter Dr. Stefan Huber internationalen Studierenden und Gästen die Arbeit des IKPE vor. Im Mittelpunkt standen die Rolle des Instituts als Forschungs- und Prozesspartner für Kommunen, datenbasierte Sozialplanung, Präventionsketten sowie Sozialstrategien zur Förderung sozialer Teilhabe und Unterstützung benachteiligter Gruppen.

Darüber hinaus bot das IKPE Einblicke in die wissenschaftliche Nachwuchsförderung: Amy-Louise Buse und Julia Bäring präsentierten ihre Dissertationsvorhaben, die von Prof. Dr. Jörg Fischer wissenschaftlich begleitet werden. Im Fokus standen Fragen zu Kinderschutzstrukturen, interdisziplinären Netzwerken und der Bedeutung kooperativer Ansätze für gesellschaftlichen Zusammenhalt – ganz im Sinne des diesjährigen Leitmotivs „Harambee“: verstanden als gemeinsames Handeln und solidarisches Tragen von Verantwortung.

Wir danken allen Beteiligten für den inspirierenden Austausch und die wertvollen internationalen Perspektiven.

Bildquelle: IKPE e.V., Prof. Dr. Jörg Fischer

Das IKPE hat im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt die Fertigstellung des 8. Kinder- und Jugendberichts übernommen. Der Bericht wurde am 05.05.2026 in der Kabinettssitzung der Landesregierung in Magdeburg vorgestellt.

Der 8. Kinder- und Jugendbericht analysiert die Lebenslagen und Zukunftsperspektiven junger Menschen in Sachsen-Anhalt und formuliert Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendpolitik. Grundlage des Berichts sind wissenschaftliche Erkenntnisse, statistische Daten sowie die Perspektiven junger Menschen und Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit. Betrachtet werden dabei insbesondere die Lebenswirklichkeiten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 6 bis 27 Jahren.

Im Fokus stehen neben den demografischen Entwicklungen in Sachsen-Anhalt auch die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen der vergangenen Jahre. Themen wie die Corona-Pandemie, wirtschaftliche Unsicherheiten, gesellschaftliche Polarisierungen und der Klimawandel beeinflussen die Lebens- und Zukunftsperspektiven junger Menschen zunehmend.

Die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne, betonte anlässlich des Kabinettsbeschlusses des Berichts: „Das Land Sachsen-Anhalt setzt auf eine eigenständige Kinder- und Jugendpolitik, die die Teilhabe von Jugendlichen in den Mittelpunkt stellt. Der Kinder- und Jugendbericht gibt den Bedürfnissen junger Menschen Raum.“

Die Ergebnisse des Berichts machen deutlich, dass junge Menschen sich unter anderem mehr Beteiligungsmöglichkeiten, bessere Freizeit- und Begegnungsangebote sowie eine stärkere politische Bildung wünschen. Gleichzeitig werden Sorgen über gesellschaftliche Entwicklungen, steigende Preise und fehlende Räume für junge Menschen sichtbar.

Auch aus Sicht des IKPE unterstreicht der Bericht die Bedeutung einer beteiligungsorientierten Kinder- und Jugendpolitik. Der Institutsleiter des IKPE, Prof. Dr. Jörg Fischer, erklärt: „Wir freuen uns, den 8. Kinder- und Jugendbericht der Landesregierung Sachsen-Anhalt übergeben zu dürfen. Der Bericht liefert wertvolle Erkenntnisse, wie es Kindern und Jugendlichen in Sachsen-Anhalt tatsächlich geht. Es zeigt sich, wie wichtig es ist, mit jungen Menschen zu sprechen statt über sie.“

Mit der Vorstellung des Berichts liegt nun eine aktuelle Bestandsaufnahme zur Situation junger Menschen in Sachsen-Anhalt vor, die wichtige Impulse für die zukünftige fachliche und politische Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen-Anhalt liefert.

Bildquelle: Canva / Noelle

Wir haben die Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin Ulrike Scheit zu einem Kurzinterview gebeten, in dem sie ihre Erfahrungen und Eindrücke aus ihrer Arbeit am Institut mit uns teilt.

Welche Aufgaben und Schwerpunkte liegen momentan in Ihrer Verantwortung als Projektleiterin im Projekt „Servicestelle kommunale Pflegestrukturplanung Thüringen“?

Ulrike Scheit: Seit Februar 2026 bin ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für kommunale Planung und Entwicklung e.V. (IKPE) tätig und leite das Projekt „Servicestelle kommunale Pflegestrukturplanung Thüringen“. Gemeinsam mit meinem Team verantworte ich den Aufbau und die Weiterentwicklung der „Servicestelle für kommunale Pflegestrukturplanung Thüringen“. Ein zentraler Schwerpunkt meiner Arbeit liegt darin, die teilnehmenden Kommunen bei der Entwicklung ihrer Pflegestrukturplanung zu begleiten und sie bei der Gestaltung bedarfsgerechter und zukunftsfähiger Pflege- und Versorgungsstrukturen zu unterstützen.

Dazu gehören die Aufbereitung wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Entwicklung praxisnaher Instrumente für die kommunale Planung sowie die Organisation von Beratungs-, Vernetzungs- und Austauschformaten. Gemeinsam mit den Kommunen analysieren wir bestehende Unterstützungsstrukturen, identifizieren Handlungsbedarfe und entwickeln strategische Ansätze für die zukünftige Ausgestaltung der Pflege vor Ort. Besonders wichtig ist mir dabei, die Herausforderungen und Potenziale der jeweiligen Kommune sichtbar zu machen und Planungsprozesse auf eine fundierte Datenbasis zu stellen.

Was motiviert Sie in Ihrer täglichen Arbeit am IKPE? Was hat Sie besonders am IKPE gereizt, als Sie sich beworben haben?

Ulrike Scheit: Mich motiviert besonders die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Fragestellungen zu verbinden und dadurch konkrete Entwicklungen vor Ort anzustoßen. Pflege und Sorgearbeit sind zentrale Zukunftsthemen, die nicht isoliert betrachtet werden können, sondern eng mit kommunaler Entwicklung, Teilhabe und Lebensqualität zusammenhängen. Die Begleitung von Kommunen bei der Entwicklung ihrer Pflegestrukturplanung ermöglicht es, diese Themen aktiv mitzugestalten und gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen des demografischen Wandels zu finden.

Am IKPE hat mich vor allem der starke Praxisbezug gereizt. Das Institut verbindet wissenschaftliches Arbeiten mit einer unmittelbaren Unterstützung von Kommunen und Akteurinnen und Akteuren vor Ort. Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, Kommunen über einen längeren Zeitraum in ihren Planungsprozessen zu begleiten und zu erleben, wie aus Analysen, Beteiligungsprozessen und strategischen Überlegungen konkrete Maßnahmen und Strukturen entstehen. Diese Verbindung aus Forschung, Beratung und kommunaler Gestaltungsmöglichkeit hat mich sehr angesprochen. Zudem schätze ich den interdisziplinären Austausch am IKPE und die Möglichkeit, innovative Ansätze gemeinsam zu entwickeln und in die Praxis zu überführen.

Welche fachlichen Impulse und beruflichen Erfahrungen bringen Sie in die Arbeit am Institut ein?

Ulrike Scheit: Ich bringe sowohl langjährige praktische Erfahrungen aus der Pflege als auch wissenschaftliche Perspektiven aus der Gerontologie und Pflegeforschung in meine Arbeit ein. Über viele Jahre war ich als Pflegefachkraft in unterschiedlichen Versorgungssettings tätig und habe die Herausforderungen des Pflegealltags aus nächster Nähe kennengelernt. Diese Erfahrungen helfen mir heute dabei, Bedarfe realistisch einzuschätzen und die Perspektiven von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Pflegekräften in Planungsprozesse einzubeziehen.

Durch mein Studium der Sozialen Gerontologie und meine Tätigkeit in der Pflegeforschung konnte ich zudem vertiefte Kenntnisse zu den Themen demografischer Wandel, Versorgungsgestaltung und Pflegepolitik erwerben. Besonders wichtig ist mir die Verbindung von wissenschaftlicher Analyse und praktischer Umsetzbarkeit. Ich möchte dazu beitragen, dass Forschungsergebnisse nicht nur diskutiert, sondern für kommunale Planungs- und Entscheidungsprozesse nutzbar gemacht werden und so einen konkreten Mehrwert für die Menschen vor Ort schaffen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildquelle: IKPE e.V. / Andreas Bauer

Buchpublikation von Dr. Gernot Herzer (IKPE) beim Springer Gabler Verlag

Im Mai 2026 ist die Buchpublikation von Dr. Gernot Herzer, Mitarbeiter des IKPE, zum Thema „Bürgerbeteiligung in Kommunen“ sowohl als digitale Version als auch als gedruckte Version erschienen. Diesem Buch liegt eine 2024 deutschlandweit erhobene und anschließend öffentlich zugänglich gemachte Fragebogenerhebung des Instituts für kommunale Planung und Entwicklung (IKPE) Erfurt zugrunde. In der Befragung wurde das Thema der bürgerschaftlichen Beteiligung in deutschen Kommunen umfassend empirisch untersucht. Der Fokus lag dabei auf dem Vorgehen zur praktischen Umsetzung der Bürgerbeteiligung. Die Ergebnisse der Analysen mit den entsprechenden Schlussfolgerungen zur Gestaltung der Praxis der Bürgerbeteiligung werden in dieser Buchpublikation umfassend vorgestellt, ohne die für Zeitschriftenartikel und Broschüren notwendigen inhaltlichen Verkürzungen.

Das Thema der Bürgerbeteiligung ist eine noch immer stark an Bedeutung gewinnende und wachsende Aufgabe in kommunalen Entscheidungsprozessen. Im Rahmen dieses Buches wird das Thema der bürgerschaftlichen Beteiligung mit Blick auf den praktischen Umgang der Kommunen mit dieser Aufgabe vorgestellt. Es wird dabei zum einen Bezug genommen auf die partizipativen und informellen Bereiche und zum anderen auch auf die Formen der Beteiligung mit deren Stufen von der Information, über die Konsultation bis hin zur Mitentscheidung. Die Studie konzentriert sich dabei auf die partizipativen Formen der Beteiligung, die in der Literatur auch als informelle Bürgerbeteiligung bezeichnet werden. Informelle Bürgerbeteiligung bezieht sich auf dialogorientierte und beratende Verfahren, in denen Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen, um Meinungen zu bilden oder Entscheidungen zu treffen. Aus den quantitativen und qualitativen Analysen der erhobenen Daten werden Schlussfolgerungen für die gelingende Umsetzung und Organisation von Beteiligungsprozessen in der kommunalen Praxis gezogen und im Buch vorgestellt.

In der Studie wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Sozialplanung, Integration und Inklusion sowie aus den Sozialbereichen in deutschen Kommunen befragt, vom Oberbürgermeister, über Referenten und Stabsstellenleiter, über Sozialplaner*innen, die Kinder- und Jugendhilfe- oder die Familien- und Seniorenhilfe bis hin zu den Verantwortlichen für Bürgerbeteiligungsprozesse, denen natürlich allen unser Dank für Ihre Teilnahme und das Teilen ihrer Erfahrungen mit dem IKPE gilt. Genau diese Personen sind damit auch die Zielgruppen des Buches, wobei natürlich die Evidenz und die Anlage der Untersuchung als eine empirische und zugleich praxisnahe Studie mit wissenschaftlichem Methodeneinsatz das Buch auch für Wissenschaftler und Studierende der sozialen und politischen Fachbereiche interessant macht. Unser Dank gilt darüber hinaus auch allen Beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Springer Gabler Verlages für die sehr freundliche Unterstützung dieses Buchprojektes im gesamten Publikationsprozess sowie auch für die sehr professionelle und kompetente Betreuung der Publikation insgesamt.

Das Buch kann unter anderem hier bestellt werden.

Bildquelle: Springer Gabler

 

Am 20.05.2026 ist das Modellvorhaben serkoP – Servicestelle kommunale Pflegestrukturplanung Thüringen im Haus Dacheröden in Erfurt in die nächste Phase gestartet. Vertreter*innen aus Kommunen, Pflegekassen, Wissenschaft und Landespolitik kamen zusammen, um die Modell- und Netzwerkkommunen offiziell zu begrüßen und den Projektauftakt zu gestalten.

Angesichts einer alternden Bevölkerung und eines steigenden Pflegebedarfs stehen Kommunen vor der Herausforderung, ihre Versorgungsstrukturen zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Die Servicestelle unterstützt Thüringer Kommunen dabei, eine systematische und datenbasierte Pflegestrukturplanung aufzubauen, um Versorgungslücken frühzeitig zu erkennen und bedarfsgerechte Angebote zu sichern.

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Landes Thüringen (Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, TMSGAF) und in gleicher Höhe aus Mitteln des Spitzenverbandes Bund der Pflegekassen nach § 123 SGB XI. Ziel ist es, Kommunen fachlich zu begleiten und innovative sowie übertragbare Planungsansätze zu entwickeln.

Nach den Grußworten von Prof. Dr. Jörg Fischer (IKPE), Staatssekretärin Tina Rudolph (TMSGAF) und Peggy Walter (BKK Landesverband Mitte) wurden die Modell- und Netzwerkkommunen vorgestellt sowie der Projektablauf und die wissenschaftliche Evaluation erläutert.

In den kommenden Jahren werden die Stadt Jena sowie die Landkreise Greiz und Nordhausen als Modellkommunen begleitet. Ergänzend beteiligen sich die Netzwerkpartner Weimarer Land, Ilm-Kreis und Hildburghausen am Projekt. Ziel ist die Entwicklung eines übertragbaren Modells für die kommunale Pflegestrukturplanung in Thüringen.

Ein fachlicher Impuls aus Bayern zeigte praxisnah, wie Pflegestrukturplanung dort umgesetzt wird. Dr. Annette Weiß (Bayerisches Landesamt für Pflege) und Dr. Stefan Schiele (Bayerisches Landesamt für Statistik) gaben Einblicke in die dortige Pflegestrukturplanung. Im Fokus standen die Ausgangslage in bayerischen Kommunen, Vernetzungsaktivitäten, Herausforderungen bei der Pflegebedarfsermittlung sowie die Bedeutung belastbarer Datengrundlagen für eine gelingende Planung.

Mit der Startveranstaltung ist der Grundstein für die gemeinsame Arbeit in den kommenden Jahren gelegt. Wir danken allen Beteiligten für den intensiven Austausch und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

Bildquelle: IKPE e.V. / Canva