Lebensmodelle verändern sich und somit auch das Zusammenleben in Familien. Zunehmend sind beide Elternteile berufstätig. Väter nehmen Erziehungsaufgaben wahr, die noch vor 30 Jahren nicht denkbar waren. Auch neue Formen des Zusammenlebens von Familien, deren Mitglieder z. B. nicht alle in einem Verwandtschaftsverhältnis miteinander stehen, nehmen zu. Ein an dieser empirischen Realität orientiertes Verständnis von Familie hat sich daher die Frage zu stellen, ob mit dem gegenwärtig politisch vorhandenen Familienbegriff alle füreinander langfristig Verantwortung tragenden Gemeinschaften eingeschlossen sind. Dies meint neben klassischen Familienmodellen, Patchwork-Familien und gleichgeschlechtliche Lebenspartner/innen mit Kindern auch Gemeinschaften ohne verwandtschaftliche Beziehungen, die in einem familienähnlichen Verantwortungsverhältnis füreinander Sorge tragen. Die Veränderung der Gesellschaft stellt deshalb auch an die Familienpolitik besondere Anforderungen. Familienpolitik muss neben Kindern, auch die Älteren im Fokus haben. Solidarische Generationsbeziehungen sind dafür entscheidend.

In der Entwicklung des Landesprogramms „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“ für Thüringen wurden fortwährend aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse eingespeist, beispielsweise die in Zusammenarbeit mit kommunalen Akteuren erhobenen Bedarfe von Familien. Hierzu wurden neben Workshops mit familienpolitisch relevanten Akteuren über einen mehrmonatigen Zeitraum verschiedene Projekt- und Steuerungsgruppen der Landesebene wissenschaftlich begleitet, um auf einer gemeinsamen Ausgangsbasis bezüglich des Familienbegriffs des Landesprogramm weiter ausgestalten zu können. In einem weiteren Schritt galt es, die Akteure für die mit den soziologischen Erkenntnissen um Reziprozität und Solidarität einhergehenden Anforderungen und besonders den Potenzialen vertraut zu machen und eine Programmatik zu entwickeln, die in der konkreten Ausgestaltung der familienpolitischen Angebote aufgegriffen wird. Dies bedeutet für die wissenschaftliche Begleitung, deutlich zu machen, dass es neben direkt adressierten Angeboten (Beratung, Information u.a.) auch besonders der Angebote bedarf, die qua ihrer Ausrichtung in der Lage sind, solidarisches Handeln nicht nur zu ermöglichen, sondern auch langfristig zu fördern (Mehrgenerationenhäuser, Projekte zur Nachbarschaftshilfe u.a.).

Prozessbegleitung der Thüringer Landkreise und kreisfreien Städte bei der Umsetzung des Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“
Laufzeit: Januar – Dezember 2019
Projektleitung: Dr. Theresa Hilse-Carstensen
Teilnehmende Landkreise und kreisfreien Städte: Altenburger Land, Eichsfeld, Eisenach, Erfurt, Hildburghausen, Jena, Kyffhäuser Kreis, Nordhausen, Saale-Orla-Kreis, Schmalkalden-Meiningen, Sömmerda, Sonneberg, Suhl, Wartburgkreis, Weimar und Weimarer Land
Mit Beginn des Jahres 2019 geht die Entwicklung des Landesprogramms „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“ einen wesentlichen Schritt weiter. Nach der Erprobungsphase in zwei Modellkommunen folgt die flächendeckende Umsetzung des Landeprogramms in den Thüringer Gebietskörperschaften. Die Programmatik des Landesprogramms muss nun in die je kommunale Planungspraxis übersetzt werden. Das IKPE berät zu zentralen Fragen und Prozessschritten der Umsetzung des Landesprogramms vor Ort und kann dabei u.a. auf die Expertise der wissenschaftlichen Begleitung des Landesprogramms bis 2018 zurückgreifen. Auf Landesebene organisiert das IKPE darüber hinaus regelmäßige Netzwerktreffen zum überregionalen, interkommunalen fachlichen Austausch.

Wissenschaftliche Begleitung des TMASGFF bei der Entwicklung des Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“
Laufzeit: 2015 – 2018
Projektleitung: Dr. Theresa Hilse-Carstensen
Mit dem Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“ geht ein Paradigmenwechsel einher, sowohl hinsichtlich der bisherigen Planungspraxis, der Mitwirkung von freien Trägern und Familien als auch in Bezug auf die Gestaltung einer bedarfsgerechten Sozial- und Bildungsinfrastruktur. Der Fokus liegt auf Familie und auf der Gestaltung einer Infrastruktur aus dem Blickwinkel von Familie. Dieser Paradigmenwechsel findet sich in der Konzeption, der Prozessgestaltung und -umsetzung des Landesprogramms wieder und ist sowohl in Thüringen als auch bundesweit einmalig. Daher ist das Programm von Anbeginn an als lernendes Programm angelegt, in dem Lernerfahrungen von der Landesebene, den Landkreisen und kreisfreien Städten reflektiert und Prozesse angepasst werden können, mit dem übergeordneten Ziel eines langfristigen Aufbaus von Sozial- und Bildungsinfrastruktur, der sich an den Bedarfen der Familien in Thüringer Kommunen ausrichtet.
Das IKPE hat diesen Lernprozess in Form einer wissenschaftlichen Prozessbegleitung und einer bedarfsgerechten strategischen Beratung des zuständigen Fachreferats im TMASGFF seit dem Jahr 2015 fachlich unterstützt. Diese Begleitung bestand konkret aus:
(1) Moderation und Organisation von Veranstaltungen,
(2) strategische und wissenschaftliche Prozessbegleitung des TMASGFF,
(3) Evaluation der Umsetzung des Landesprogrammes,
(4) Prozessbegleitung der Modellkommunen Kyffhäuserkreis und Altenburger Land bei der Erstellung eines integrierten Planes.