Landkreise und kreisfreien Städte sind als örtliche öffentliche Träger maßgeblich verantwortlich für die Bereitstellung der Infrastruktur im Bereich der Sozial-, Gesundheits- und Jugendhilfe. Darüber hinaus stellen sie erhebliche Teile der Bildungsinfrastruktur, die ihrerseits in engem Wirkungszusammenhang mit der sozialen Infrastruktur stehen.
Die öffentliche Verwaltung steht seit Jahren unter einem hohen Veränderungsdruck. Sie muss auf die ökonomischen und demografischen Herausforderungen reagieren und wird gleichzeitig selbst durch diese Veränderungen geprägt. Gerade der Widerspruch zwischen sinkenden Ressourcen und wachsenden Aufgaben, wird sich nicht dadurch auflösen lassen, weiterhin isoliert und innerhalb weitgehend voneinander unabhängig operierender Verwaltungsstrukturen Probleme monolithisch zu bearbeiten.
Angesichts der Komplexität dieser Herausforderung, bedarf es einer strategischen Steuerung in Kommunen. Nur wenn ausgehend von gemeinsam definierten Zielen Handlungsbedarfe und -optionen transparent sind und abgestimmte Maßnahmen umgesetzt werden, wird die Verwaltung auch in der Zukunft politische Vorgaben erfolgreich umsetzen können und im Interesse der Bürgerinnen und Bürger handeln.
Dies kann nicht durch Ad-hoc-Entscheidungen gelingen, sondern erfordert ein systematisches und strategisch angelegtes Vorgehen.

Unser Ziel ist es, die lokalen Akteure in Bezug auf die eigenen Gestaltungsansätze bei der umfassenden Wahrnehmung von Armut und Bildungsbenachteiligung zu sensibilisieren, das vorhandene Wissen zu verbreitern und miteinander zu vernetzen sowie sie in der Entwicklung von integriert angelegten und nachhaltig wirkenden Ansätzen zur Stärkung von Chancengleichheit und optimalen Aufwachsbedingungen von Kindern und Jugendlichen zielgenau und entsprechend ihrer Bedarfe zu unterstützen.
Aus einer kleinräumigen Perspektive heraus setzen wir mit einer Analyse der Problemstrukturen an. Denn ungeachtet eines aktiven politischen und fachlichen Engagements zur Unterstützung unterschiedlicher Zielgruppen vor Ort ist in strukturierter und empirisch untersetzter Form bisher nur wenig über die tatsächlichen Lebenslagen der Menschen und ihrer spezifischen Bedarfe bekannt.

Erstellung Zweiter Thüringer Sozialstrukturatlas
Laufzeit: April – Dezember 2019
Projektleitung: Prof. Dr. Marcel Helbig
In dem Projekt mit Prof. Dr. Marcel Helbig von der Universität Erfurt/Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung wurden alle lebenslagenrelevanten Daten der Menschen in Thüringen längsschnittartig zusammengefasst und ein Überblick über die Entwicklung der Lebenssituation in Thüringen erstellt. Mit dem Schwerpunkt auf der Darstellung von Armuts- und Ungleichheitslagen wurden die Armutspräventionsstrategien der Thüringer Kommunen, die Maßnahmen der Landesregierung zu Armut und Armutsprävention am Beispiel von ThILIK und weiteren Landesberichterstattungen für eine Analyse von armutsbezogenen Bedarfslagen und Angebotsstrukturen hinzugezogen. Damit konnte eine Grundlage gelegt werden, um Fragen von Wirkung und Erfolg in der Bewältigung von sich verschärfenden Ungleichheitsstrukturen beantworten zu können.
Den ersten Teil des Zweiten Thüringer Sozialstrukturatlas finden sie hier (Entwurfsfassung).

Studien zur bedarfsgerechten Bildungs- und Sozialsteuerung
Laufzeit: 2013 – 2016
Projektleitung: Prof. Dr. Jörg Fischer
Teilnehmende Kommunen: Altenburg, Erfurt, Gera, Jena, Schmalkalden-Meiningen, Unstrut-Hainich Kreis und Weimar
Ziel der unterschiedlichen Untersuchungen in den jeweiligen Landkreisen und kreisfreien Städten war es, die lokalen Akteure in Bezug auf die eigenen Gestaltungsansätze bei der umfassenden Wahrnehmung von Armut und Bildungsbenachteiligung zu sensibilisieren, das vorhandene Wissen zu verbreitern und miteinander zu vernetzen sowie sie in der Entwicklung von integriert angelegten und nachhaltig wirkenden Ansätzen zur Stärkung von Chancengleichheit und optimalen Aufwachsbedingungen von Kindern und Jugendlichen zielgenau und entsprechend ihrer Bedarfe zu unterstützen. Dafür wurden die folgenden methodischen Schritte umgesetzt
(1) kontinuierlicher Austausch mit den politischen und fachlichen Entscheidungsträger*innen vor Ort,
(2) Abfrage, Sammlung und Analyse des kommunal verfügbaren Datenmaterials,
(3) Interpretation der vorliegenden Informationen im Hinblick auf die Thematiken Armut und Armutsprävention,
(4) Grafische Aufbereitung der Daten,
(5) Formulierung von Handlungsempfehlungen sowie
(6) Präsentation der Ergebnisse im Rahmen von Fachgremien.