Ein nahtloser Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt ist ein komplexer Prozess, der u.a. mit der Teilhabe von Jugendlichen am Schulalltag, sowie der Berufsorientierung einhergeht. Gelingt dies nicht, können Menschen in Arbeitslosigkeit sowie ein Nichterlernen von Eigenverantwortung „rutschen“. Hier braucht es u.a. geeignete kommunale Strukturen, die die Menschen auffangen und (wieder) in den Arbeitsmarkt führen. Um erfolgreich in diesem herausfordernden Arbeitsfeld von als schwierig erreichbar geltenden Menschen begleiten und unterstützen zu können, bedarf es einer hohen Reflexivität im eigenen fachlichen Handeln sowie eines hohen Maßes an Professionalität. Aus Landessicht sind innovative Ansätze gefordert, die künftig neue Akzente in der Beschäftigungsförderung setzen.
Wie finden junge und bzw. oder langzeitarbeitslose Menschen den Weg zu einer Behörde oder Institution, die ihnen Hilfe- und Unterstützungsangebote bietet? Wie können diese auch in schwierigen Lebenslagen erreicht, unterstützt und begleitet werden? Wie lässt sich ein Verbleib in den Angeboten und eine nachhaltige Inanspruchnahme sichern? Das sind zentrale Fragen für Behörden, Leistungsanbieter und Projektträger im Feld der Beschäftigungsförderung. Genau dies zu reflektieren und Antworten darauf zu finden ist Kern des Angebotes des IKPE.
Das Institut für kommunale Planung und Entwicklung (IKPE) bietet die wissenschaftliche Begleitung des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport (TMBJS) und folgenden zwei Teilprojekten an:
1) OTEGAU Arbeitsförder- und Berufsbildungszentrum GmbH, Gera
2) Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V. (BWTW)
Ziel ist es, zwei Projektansätze zu unterstützen und zu hinterfragen sowie die Erkenntnisse in Empfehlungen für die Ausgestaltung der neuen ESF-Förderperiode nach 2022 zu transferieren.
Anhand von leitfadengestützten Gruppeninterviews werden sowohl die Teilnehmenden, als auch die Projektumsetzenden zu drei Phasen im Projekt zu den Fortschritten im Projekt befragt.
Das IKPE geht im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung in den beiden Teilprojekten parallel den drei forschungsleitenden Fragestellungen nach:
Projekt OTEGAU (Gera)
Was kennzeichnet den Projektansatz in Bezug auf die Passfähigkeit zu den Bedarfen der Teilnehmer*innen aus der Perspektive des Projektträgers und der Teilnehmenden?
Welche Erfahrungen werden in der Erprobung mit Blick auf die innovative Weiterentwicklung des Ansatzes gemacht? Welches Verständnis von Innovation liegt dabei vor? Welche Erkenntnisse ergeben sich daraus mit Blick
- auf den Wissenstransfer hinsichtlich einer nachhaltigen Nutzung sowie
- einer Übertragung des Ansatzes?
Welche Ansätze, Zugänge und Gelingensbedingungen tragen aus Sicht der Teilnehmenden dazu bei, dass dieses Angebot angenommen und langfristig wahrgenommen wird?
Projekt BWTW (Saalfeld)
Was sind die bisherigen Erfahrungen in der Inanspruchnahme von Leistungen des Bildungswerkes durch die Teilnehmenden? Woran ist es bisher gescheitert?
Welche Erfahrungen werden in der Erprobung des Tandemcoachings gemacht?
Welche Ansätze, Zugänge und Gelingensbedingungen tragen aus Sicht der Teilnehmenden dazu bei, dass dieses Angebot angenommen und langfristig wahrgenommen wird?
AKTUELLER STAND der beiden Projekte
Die Befragungen der Teilnehmenden in beiden Projekten konnten erfolgreich abgeschlossen werden. Am 27. April 2022 wurde mit sechs Jugendlichen in einem einstündigen Gruppengespräch über ihre individuelle Situation im Projekt, ihre Erfolge und Herausforderungen sowie mögliche Anschlussperspektiven gesprochen. Die Gespräche befinden sich aktuell im Stadium der Auswertung. Auch im Level UP Projekt wurden die Teilnehmenden zu der Situation im Projekt befragt. Die Gespräche führten Projektmitarbeitenden durch, aufgezeichnet und an das IKPE am 4. Mai 2022 zur Transkription und Auswertung dem IKPE übergeben. Zwischen Juni und Juli stehen die abschließenden Mitarbeitenden-Befragungen an und für September ist ein Abschlussworkshop zwischen den Projektumsetzenden, dem beauftragenden Ministerium (TMBJS) sowie dem IKPE geplant. Hierüber wird das IKPE dann aktuell berichten.
Wissenschaftliche Begleitung der Fortentwicklung der ESF-Beschäftigungsförderung im ESF
Laufzeit: 01.01.2021 bis 30.09.2022
IKARAT- Projekt (OTEGAU)
Das Arbeitsförder- und Berufsbildungszentrum OTEGAU in Gera will vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl an jungen Menschen ohne Hauptschulabschluss in den vergangenen Jahren den Schulabgängerinnen und -abgängern eine Chance auf berufliche und soziale Integration ermöglichen. Aufgrund der „Corona-Maßnahmen“ konnten und können die Jugendlichen nicht im erforderlichen Umfang erreicht werden. Es soll herausgefunden und erprobt werden, was getan werden muss, um diese Jugendlichen besser kontaktieren zu können. Außerdem sollen bedarfsorientierte Angebote entwickelt werden. Dafür rücken insbesondere Jugendliche mit Bildungsarmutshintergrund in den Fokus. Ihnen soll die Möglichkeit der Erlangung der Ausbildungsreife und idealerweise der Aufnahme einer Berufsausbildung gegeben werden.
OTEGAU möchte einen Ansatz weiterentwickeln, der berufliche Qualifizierung mit schulischer Bildung in Verbindung mit praktischer Arbeit kombiniert (Produktionsschulansatz).
Projekt Level Up (BWTW Saalfeld)
Im Zuge von zunehmend komplexeren Problemlagen der Zielgruppe des Jobcenters in Saalfeld, wird diese nicht mit den bereits bestehenden Ansätzen erreicht. Das Jobcenter will daher den Fokus auf eine Zielgruppe innerhalb der gemeldeten Arbeitslosen richten, die weniger gut zugänglich und zudem mit starken Hemmschwellen und Barrieren gegenüber dem Jobcenter „ausgerüstet“ ist. Diese Zielgruppe ist über typische Angebote nicht zu erreichenh, daher sollen andere Wege gefunden werden, um mit dieser Zielgruppe zusammen bedarfsorientierte Angebote zu entwickeln. Es geht auch darum, die Teilnehmenden zu motivieren, wieder an freiwilligen Hilfe- und Unterstützungsangebote teilzunehmen. Dazu arbeitet das Jobcenter im engen Austausch mit dem Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V. (BTWT) zusammen, das als Projektträger für das vorliegende Projekt fungiert.
Mit Hilfe des Bildungswerks wird ein Tandemcoaching durchgeführt, damit die als ‚schwierig‘ erreichbar geltenden Menschen angeregt werden, die Leistungen des Jobcenters wieder in Anspruch zu nehmen. Dabei steht die Teilnehmerpartizipation aufgrund der schwierigen Erreichbarkeit der Zielgruppe im Mittelpunkt.