Was passiert, wenn öffentliche und soziale Infrastruktur in ländlichen Räumen aufgrund von Bevölkerungsrückgang, Fachkräftemangel und knappen finanziellen Ressourcen nicht mehr aufrechterhalten werden kann? Ein im Foresight-Prozess entwickeltes Zukunftsszenario beschreibt zugespitzt eine „Dorfschließung“ – und macht damit sichtbar, welche Folgen gesellschaftliche Veränderungen für die Zukunft ländlicher Räume haben können.

Das Szenario ist keine Prognose, sondern ein bewusst zugespitztes Zukunftsbild. Es soll dazu anregen, mögliche Entwicklungen frühzeitig zu durchdenken und Gestaltungsspielräume für die Gegenwart zu erkennen.

Mit dem Diskussionspapier „Zukunft vorausdenken – heute gemeinsam handeln. Ergebnisse eines Foresight-Prozesses zur strategischen Sozialplanung in ländlichen Räumen in Thüringen“ legen das Institut für kommunale Planung und Entwicklung e.V. – An-Institut der Fachhochschule Erfurt (IKPE) und das Kompetenzzentrum Strategische Sozialplanung (KOSS plus) der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen e.V. die Ergebnisse eines mehrstufigen Beteiligungsprozesses vor.

Ziel war es, mögliche Entwicklungen gemeinsam zu betrachten, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und daraus Handlungsoptionen für die Zukunft ländlicher Räume abzuleiten. Dafür wurden 2025 Vertretungen aus Sozialplanung, Freier Wohlfahrtspflege, Politik, Bildung und Wirtschaft einbezogen. Die entwickelten Szenarien und Handlungsoptionen wurden unter anderem auf dem 83. Deutschen Fürsorgetag in Erfurt diskutiert und weiterentwickelt.

Fünf Handlungsfelder für die Zukunft

Aus dem Prozess wurden fünf zentrale Handlungsfelder herausgearbeitet:

  • Governance und integrierte Planung
  • Beteiligung, Demokratie und Zivilgesellschaft
  • Infrastrukturen in ländlichen Räumen
  • Begegnungs- und Entwicklungsräume
  • Regionale Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Sie verdeutlichen: Zukunftsfähige Entwicklung lässt sich nicht in einzelnen Politik- oder Fachbereichen denken. Mobilität, soziale Infrastruktur, wirtschaftliche Entwicklung, Beteiligung und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind eng miteinander verbunden. Umso wichtiger sind integrierte Ansätze und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure vor Ort.

Impulse für Politik und Praxis

Das Diskussionspapier versteht sich nicht als fertiger Maßnahmenkatalog, sondern als Einladung zum Weiterdenken und gemeinsamen Handeln. Die formulierten Handlungsoptionen sollen politische und fachliche Diskussionen anregen, bestehende Ansätze weiterentwickeln und neue Formen der Zusammenarbeit unterstützen.

Mit „Zukunft vorausdenken – heute gemeinsam handeln“ schaffen IKPE und KOSS plus eine Grundlage für die weitere Diskussion darüber, wie strategische Sozialplanung in ländlichen Räumen angesichts komplexer gesellschaftlicher Veränderungen zukunftsorientiert gestaltet werden kann.

Das Diskussionspapier:
„Zukunft vorausdenken – heute gemeinsam handeln. Ergebnisse eines Foresight-Prozesses zur strategischen Sozialplanung in ländlichen Räumen in Thüringen. Impulse für Politik, Verwaltung, Freie Wohlfahrt, Wirtschaft und Zivilgesellschaft“

Herausgeber:
Institut für kommunale Planung und Entwicklung e.V. – An-Institut der Fachhochschule Erfurt (IKPE)
Kompetenzzentrum Strategische Sozialplanung (KOSS plus) der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen e.V. (LIGA)

Weitere Informationen und Download:
[Link zum Diskussionspapier]

Bildquelle: KI ChatGPT

 

Vom 28.08. bis zum 02.09.2026 nahmen zwei Mitarbeiterinnen des IKPE gemeinsam mit Vorstandmitglied und Institutsleitung Prof. Dr. Jörg Fischer an der TiSSA – The international Social Work and Social Academy – Konferenz in Warschau, Polen, teil. Unter dem Motto „Social Work and Social Pedagogy: Research, Impact and Social Change“ stellten sie ihre jeweiligen Promotionsvorhaben vor und diskutierten diese im Plenum. Gastgeberin war die Maria Grzegorzewska Universität für Pädagogik.

Julia Bäring referierte auf der Vorkonferenz für Doktorand:innen zu ihrer Forschung über Partizipation aus Netzwerkperspektive. Im Kontext der Frühen Hilfen untersucht sie das Verhältnis von institutionellen und privaten Unterstützungsressourcen, um bedarfsgerechte Familienhilfe zu fördern. Ihr Fazit: „Die PhD-Vorkonferenz war eine großartige Gelegenheit, wertvolles Feedback zu erhalten, Ideen auszutauschen und meine Forschung aus verschiedenen Blickwinkeln zu reflektieren.“

Amy-Louise Buse präsentierte ihr Promotionsvorhaben im Projekt „KoNeKi – Kooperation gestalten: Netzwerke im kommunalen Kinderschutz“ (FH Erfurt). Im Austausch mit den Teilnehmenden erläuterte sie den praxisorientierten Ansatz, mit dem rechtliche Vorgaben und Netzwerklogiken der deutschen Kinderschutzpolitik untersucht werden – als nächster Schritt folgt die Analyse, wie diese kommunal umgesetzt werden und welche Gelingensbedingungen und Hindernisse sich dabei zeigen.

Als wissenschaftliches Institut kümmert sich das IKPE satzungsgemäß um die aktive Förderung von Nachwuchswissenschaftler:innen, sodass die vorgestellten Forschungen von den Erfahrungen und Erkenntnissen, die Frau Bäring und Frau Buse am IKPE in ihren Projekten sammeln, profitieren.

Andersherum bereichern ihre Ergebnisse ebenso in die Arbeit des IKPE, über welche sich die Kolleg:innen auf der Konferenz wiederholt mit den Teilnehmenden austauschen konnten. Beide Wissenschaftlerinnen schätzten besonders den internationalen Austausch über Forschungsideen, methodische Umsetzung und den sozialarbeiterischen Praxisbezug. Für die TiSSA-Konferenz 2027 in Tiflis, Georgien, planen die IKPLerinnen erneut eine Bewerbung.

Bildquelle: IKPE e.V.

Im Mai fand die Startveranstaltung im Projekt Servicestelle kommunale Pflegestrukturplanung Thüringen im Haus Dacheröden statt. Die Servicestelle unterstützt Thüringer Kommunen dabei, eine systematische und datenbasierte Pflegestrukturplanung aufzubauen, um Versorgungslücken frühzeitig zu erkennen und bedarfsgerechte Angebote zu sichern. In den vergangenen Monaten folgten die ersten Arbeitstreffen mit den Modell- und Netzwerkkommunen. Ziel der Treffen war es, ein gemeinsames Verständnis der Pflegestrukturplanung zu entwickeln, die jeweiligen Ausgangslagen in den Kommunen abzubilden und die Zielsetzungen der Kommunen zu klären. Darüber hinaus wurde die Akteurs- und Zuständigkeitsstruktur analysiert, um einen ersten arbeitsfähigen Überblick über relevante Netzwerke zu erhalten. Die Beratungen dienten der Herstellung kommunaler Planungsfähigkeit und dem Sichtbarmachen von Erwartungen, Herausforderungen und Fragestellungen der teilnehmenden Kommunen, die im weiteren Projektverlauf beantwortet werden sollen.

Im Rahmen der zweiten Arbeitstreffen erfolgte die Bestandserhebung, um vorhandene Datenquellen zu identifizieren, Zuständigkeiten für die Datenerhebung zu klären und Erkenntnisse über Stärken und Herausforderungen der Pflegeinfrastruktur zu gewinnen. Die Bestandserhebung umfasste unter anderem demografische Entwicklungen, Pflegebedarfe, Pflegeangebote, Beratungs- und Unterstützungsstrukturen, Wohnformen, Mobilität sowie weitere infrastrukturelle Rahmenbedingungen. Die Daten werden unmittelbar in eine strategische Analyse der kommunalen Pflegesituation überführt, die die fachliche Grundlage für die Planungsschritte der kommunalen Pflegestrukturplanung bildet.

In den bisherigen Arbeitstreffen zeigte sich, dass die Kommunen trotz unterschiedlicher Ausgangslagen viele gemeinsame Herausforderungen und Entwicklungsziele verbinden. Im Mittelpunkt stehen der demografische Wandel, steigende Pflegebedarfe sowie wachsende finanzielle und personelle Belastungen. Gleichzeitig besteht ein gemeinsames Interesse daran, kommunale Entscheidungen stärker datenbasiert zu treffen, regionale Versorgungsbedarfe gezielt zu analysieren und die häusliche sowie ambulante Versorgung zu stärken. Auch die Vernetzung relevanter Akteure und eine sozialraumorientierte Planung – unter Berücksichtigung von Themen wie Mobilität, Wohnen und Teilhabe – wurden von vielen Kommunen als zentrale Bausteine für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Pflegeinfrastruktur benannt.

Ansprechpartnerinnen:

Projektleiterin „Servicestelle kommunale Pflegestrukturplanung Thüringen“ Ulrike Scheit, ulrike.scheit(at)ikpe-erfurt.de, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen Josefine Strüning, josefine.struening(at)ikpe-erfurt.de und Christin Kley, christin.kley(at)ikpe-erfurt.de

Welche Ansätze verfolgen kommunale Sozialstrategien, um gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und aktive Inklusion vor Ort zu fördern? Dieser Frage widmet sich eine aktuelle Studie des Teams Prozessbegleitung kommunaler Strategien am Institut für kommunale Planung und Entwicklung (IKPE).

Im Rahmen einer qualitativ-vergleichenden Analyse wurden 16 kommunale Sozialstrategien aus Thüringen ausgewertet. Untersucht wurde, welche Handlungsfelder und Zielgruppen im Mittelpunkt stehen, wie Ziele formuliert werden und wie Beteiligung, Steuerung und Umsetzung ausgestaltet sind. Ein besonderes Augenmerk lag zudem auf der Berücksichtigung des EU-Querschnittsziels der Gleichstellung der Geschlechter durch Umsetzung gendersensibler Planung sowie darauf, in welcher Weise das Thema Einsamkeit bereits in den Strategien aufgegriffen wird.

Die Strategien greifen ein breites Spektrum sozialer Lebenslagen auf. Besondere Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen und politischen Teilhabe sowie auf der integrierten Planung, Steuerung und Organisationsentwicklung. Aktive Inklusion wird dabei nicht allein über den Zugang zu einzelnen Angeboten gefördert. Sie ist eng mit Beteiligung, Vernetzung, bedarfsgerechter Infrastruktur und einer fachübergreifenden kommunalen Planung verbunden.

Der interkommunale Vergleich verdeutlicht zugleich die Vielfalt der strategischen Ansätze. Während einige Kommunen vor allem etablierte Beteiligungs- und Planungsverfahren einsetzen, erproben andere aufsuchende und sozialräumliche Formate. Unterschiede zeigen sich außerdem bei der Konkretisierung und Priorisierung von Maßnahmen, der Verknüpfung verschiedener Handlungsfelder sowie der Überprüfung der Zielerreichung.

Die Studie „Aktive Inklusion strategisch gestalten. Erkenntnisse aus den kommunalen Sozialstrategien in Thüringen“ wird derzeit zur Veröffentlichung vorbereitet und wird voraussichtlich im letzten Quartal 2026 erscheinen.

Ansprechpartner*innen:

Dr. Stefan Huber, Projektleiter „Prozessbegleitung von Kommunen bei der Entwicklung und Umsetzung lokaler Sozialstrategien“, stefan.huber(at)ikpe-erfurt.de, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen Inga Döbel, inga.doebel(at)ikpe-erfurt.de, Dr. Gernot Herzer, gernot.herzer(at)ikpe-erfurt.de und Dr. Ronald Gebauer, ronald.gebauer(at)ikpe-erfurt.de

Der Fachkräftemangel ist längst kein vorübergehender Engpass mehr. In vielen Bereichen der Sozialen Arbeit ist er zu einem strukturellen Phänomen geworden, das die Daseinsvorsorge, Träger, Angebote und Handlungsfelder nachhaltig verändert.

Doch was bedeutet das für die Zukunft? Und vor allem: Welche Lösungen und Handlungsspielräume gibt es?

Diesen Fragen widmen sich Prof. Dr. Jörg Fischer, Institutsleiter des IKPE e.V., Prof. Dr. Gunther Graßhoff und Reinhold Gravelmann als Herausgeber des neuen 8. Sonderbands des Sozialmagazins: „Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit revisited! Der Blick auf Lösungen“.

Der Band nimmt bewusst eine andere Perspektive ein: Nicht die erneute Diagnose des Fachkräftemangels steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Soziale Arbeit unter veränderten Bedingungen handlungsfähig bleiben und Zukunft gestalten kann.

Die Beiträge aus Wissenschaft und Praxis zeigen ein breites Spektrum an Ansätzen: von Ausbildung, Studium, Nachqualifizierung und Quereinstieg über Recruiting, Personalentwicklung und Führung bis hin zu Digitalisierung, KI, internationaler Fachkräftegewinnung und (fach-)politischen Strategien.

Dabei wird deutlich: Den einen Lösungsweg gibt es nicht. Die Herausforderungen sind je nach Handlungsfeld, Region und Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich. Umso wichtiger ist ein differenzierter Blick – und die Bereitschaft, neue Wege zu erproben, Bestehendes weiterzuentwickeln und unterschiedliche Lösungsansätze zusammenzudenken.

„Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit revisited! Der Blick auf Lösungen“ erscheint am 27. August 2026 bei Beltz Juventa.

Ein Band für alle, die den Diskurs über Fachkräfte nicht bei der Problembeschreibung stehen lassen wollen, sondern nach konkreten Perspektiven für Forschung, Praxis und sozialpolitische Gestaltung suchen.

Bildquelle: Beltz Verlagsgruppe

Welche Aufgaben und Schwerpunkte liegen momentan in Ihrer Verantwortung als wissenschaftliche Mitarbeiterin?

Ich unterstütze derzeit die Kolleg*innen am IKPE in ihren vielfältigen Projekten, bin dabei aber hauptsächlich in der Organisation, Konzipierung und Durchführung unserer Austausch-Reihen für kommunale Führungspersonen im Sozialbereich. Dieses Jahr haben wir davon vier Stück geplant, zwei für Thüringer Jugendamtsleitungen und zwei für Sozialdezernent*innen, Beigeordnete und Fachbereichsleitungen. Ich kümmere mich in enger Abstimmung mit der Projektleitung um den organisatorischen Rahmen der Veranstaltungen, arbeite an der inhaltlichen Ausgestaltung des Programms und gebe auch selbst Inputs und methodische Anleitungen für einzelne Themen der Transformationsgestaltung und integrierten Arbeitsweise in den jeweiligen kommunalen Verwaltungsbereichen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf Selbstreflexion, einem Peer-to-Peer Austausch und der gemeinsamen Entwicklung von Lösungsansätzen.

Was motiviert Sie in Ihrer täglichen Arbeit am IKPE? Was hat Sie besonders am IKPE gereizt, als Sie sich beworben haben?

Motivierend ist für mich insbesondere der Austausch mit den Kolleg*innen und die Einblicke in die kommunalen Strukturen und Abläufe der Daseinsvorsorge, welche die verschiedenen Projekten und Ansätze am IKPE bieten. Als Sozialarbeiterin und Wissenschaftlerin reizt mich die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Praxis sehr und ich lerne eigentlich jeden Tag etwas Neues. Diese Planungsprozesse begleiten und ein Stück weit mitgestalten zu können haben mich vom IKPE überzeugt und ich bin gespannt, was sich in den nächsten Jahren in Thüringen noch alles (weiter-) entwickeln wird.

Welche fachlichen Impulse und beruflichen Erfahrungen bringen Sie in die Arbeit am Institut ein?

Als Absolventin des Masters der Internationalen Sozialen Arbeit mit den Schwerpunktthemen Kinderschutz und partizipativer Forschung kann ich am IKPE sehr gut an meinen bisherigen Kenntnissen anschließen und diese mit den Besonderheiten kommunaler Entwicklung in den Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe verknüpfen. Meine Arbeit in internationalen Projekten haben mir gezeigt, wie wichtig der Transfer zwischen Forschung und Praxis, aber auch der Einbezug lokaler Gegebenheiten und der Perspektive von Betroffenen und Fachkräften ist, um nachhaltige und effektive Lösungen für soziale Problemlagen zu entwickeln und Teilhabe zu ermöglichen.

Außerhalb des IKPEs arbeite ich in einem Projekt der Fachhochschule Erfurt, das sich mit der Implementierung von Netzwerkstrukturen im Kinderschutz beschäftigt. Auch hieraus kann ich meine Kenntnisse über Policy-Ansätze und Praxisforschung in die Arbeit am Institut übertragen.

Bildquelle: IKPE e.V. / Andreas Bauer

Wie können Kommunen Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Quartieren stärken, die erst seit vergleichsweise kurzer Zeit von internationaler Zuwanderung geprägt sind? Mit dieser sehr aktuellen Fragestellung beschäftigte sich unser jüngster Lean Coffee gemeinsam mit zehn Teilnehmenden aus Wissenschaft und kommunaler Praxis.

Im Mittelpunkt stand das Forschungsprojekt „Teilhabe in ‚neuen‘ Ankunftsquartieren stärken“, das von der Stiftung Mercator GmbH gefördert und gemeinsam von ILS-Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, dem Deutsches Institut für Urbanistik (Difu), der Technische Universität Berlin und STADTRAUMKONZEPT GmbH durchgeführt wurde.

In ihrem Vortrag zeigten Dr. Julia Burgold und Ricarda Pätzold, dass Ankunftsquartiere weit mehr sind als Orte besonderer Herausforderungen. Sie eröffnen Zugänge zu Wohnraum, Bildung, Beratung, sozialen Netzwerken und alltagspraktischem Wissen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe und zum Zusammenhalt in Städten und Gemeinden.

Besonders wertvoll ist der praxisnahe Forschungsansatz des Projekts: Durch bundesweite Kommunalbefragungen, Expert*inneninterviews sowie die mehrjährige Begleitung von elf Kommunen wurden wissenschaftliche Erkenntnisse und kommunale Erfahrungen eng miteinander verknüpft. So konnten konkrete Handlungsempfehlungen für den Aufbau tragfähiger Integrations- und Teilhabestrukturen entwickelt werden.

Deutlich wurde, dass sich Ankommensprozesse zunehmend auf Quartiere und Kommunen verlagern, die bislang nur wenig Erfahrung mit internationaler Migration hatten. Um diesen Entwicklungen nachhaltig zu begegnen, braucht es verlässliche soziale Infrastrukturen, ressortübergreifende Zusammenarbeit, die Einbindung lokaler Akteur*innen sowie eine langfristig angelegte kommunale Integrations-Governance. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass Teilhabe nicht an Quartiersgrenzen endet, sondern als gesamtstädtische Aufgabe verstanden werden muss.

Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Julia Burgold und Ricarda Pätzold für die spannenden Einblicke in das Forschungsprojekt, die Impulse und die offene Diskussion. Ebenso danken wir allen Teilnehmenden für den engagierten fachlichen Austausch und die vielfältigen Perspektiven.

Bildquelle: Dr. Julia Burgold / Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)

01.07.2026, Erfurt

Wie bleiben Kommunen handlungsfähig, wenn Haushaltsdruck, demografischer Wandel, Daseinsvorsorge und neue Steuerungsanforderungen gleichzeitig bewältigt werden müssen?

Mit dieser Frage haben wir uns auf der IKPE-Jahrestagung am 1. Juli 2026 in Erfurt gemeinsam mit kommunalen und fachpolitischen Akteur*innen beschäftigt. Im Mittelpunkt stand, wie integrierte Sozialplanung, Präventionsketten und Pflegestrukturplanung noch stärker zusammengedacht und erfolgreich in die kommunale Praxis übersetzt werden können.

Drei zentrale Erkenntnisse nehmen wir mit:
Handlungsfähigkeit entsteht durch Weiterentwicklung.
Kommunen bleiben handlungsfähig, wenn sie bewährte integrierte Planungsansätze mit neuen Konzepten verbinden und so soziale Infrastruktur, Prävention und Daseinsvorsorge vorausschauend weiterentwickeln.
Prävention muss auch unter Druck handlungsleitend bleiben.
Gerade bei knappen Ressourcen braucht es einen klaren Blick darauf, welche Angebote vor Ort tatsächlich benötigt werden, wie vulnerable Gruppen erreicht werden und wie präventive Daseinsvorsorge langfristig gesichert werden kann.
Umsetzung gelingt nur gemeinsam.
Datenbasierte Planung, Beteiligung, ressortübergreifende Zusammenarbeit, Sozialraumorientierung und interkommunale Kooperation sind zentrale Voraussetzungen für kommunale Handlungsfähigkeit.

Ein herzlicher Dank gilt der Thüringer Sozialministerin Katharina Schenk für ihr Grußwort, Prof. Dr. Theresa Hilse-Carstensen für den facettenreichen und fachlich fundierten Impuls sowie Prof. Dr. Jörg Fischer für die fachliche Begleitung des Tages, die Eröffnung und die Moderation der Podiumsdiskussion.

Ebenso danken wir allen Teilnehmenden der Podiumsdiskussion und den Praxisexpert*innen an den Thementischen: Stefan Nüßle, Sven Gregor, Ralf Kirsten, Kathleen Lützkendorf, Prof. Dr. Michael Behr, Katja Maurer und Christiane Maurer.

Wir nehmen viele wertvolle Impulse für unsere praxisorientierte Forschung, Prozessbegleitung und den weiteren Austausch mit den Thüringer Kommunen mit. Die Tagung hat erneut gezeigt: Kommunale Handlungsfähigkeit entsteht dort, wo Politik, Verwaltung, Planung und Praxis gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln.

Lesen Sie hier die Dokumentation zur Tagung:

Bildquelle: IKPE e.V.

Gemeinsam mit Beigeordneten, Fachbereichsleitungen und Sozialdezernent*innen aus Thüringen hat das IKPE – unter Leitung von Dr. Heike Schaarschmidt und Prof. Dr. Jörg Fischer sowie Amy-Louise Buse – erstmalig die Tagungsreihe „Gestaltung sozialer Transformation durch kommunale Führungspersonen“ durchgeführt. Tage später folgte ein Fortsetzungsmodul für die Thüringer Jugendamtsleitungen verbunden mit dem Motto „Leitung navigiert Veränderung“. Hierzu bot jeweils das Evangelische Allianzhaus in Bad Blankenburg eine anregende Atmosphäre, die fokussierte Diskussionen sowie kreatives Reflektieren eigener Handlungs- und Denkweisen ermöglichte.

In beiden Veranstaltungsreihen geht es darum, neue Denkweisen zu entwickeln und das eigene Führungshandeln zukunftsorientiert zu gestalten, um komplexe Zusammenhänge besser zu erfassen, zu verstehen und durch vernetztes Handeln kreative Lösungen in den Verwaltungen zu fördern. Wesentlich ist hierbei, sich Anforderungen, Herausforderungen und Chancen durch Perspektivenwechsel – ausgehend von wissenschaftlichen  Theorien – anzunähern, und den gewohnten Blick auf kommunale Praktiken  zu verlassen. Mit Hilfe von selbstdefinierten Visualisierungen, individuellen Reflexionen und Austauschgesprächen in Kleingruppen sowie im Plenum arbeiteten sie heraus, was die Anwesenden mit „Führung“ und „Steuerung“ verbinden. Persönliche Zukunfts-Visionen vom Dezernat/Fachbereich oder vom Jugendamt wurden erörtert und die Frage, wie solche Visionen realisierbar seien. Integrierte Veränderungsprozesse und die eigene Rolle, welche Sie darin einnehmen können sowie welche Spannungsfelder, Polaritäten und potentiellen Lösungsschritte dafür möglich sind, standen im Mittelpunkt. Ein anregender Austausch, durch den gewohnte Arbeitsweisen verlassen werden können.

Vor dem Hintergrund identifizierter Problemstellungen und Lösungsansätze gaben u.a. Prof. Dr. Jörg Fischer und Prof. Dr. Theresa Hilse-Carstensen Einblicke in erste Ergebnisse ihrer Forschung, zur Rolle kommunaler Führungspersonen in der Auseinandersetzung mit der  Gestaltung des sozialen Zusammenhalts. Reflexiv wurde die Bedeutung des sozialen Zusammenhalts für das eigene Führungshandeln herausgearbeitet: Sie sehen sich insbesondere verantwortlich, wenn der soziale Zusammenhalt nicht mehr vorhanden ist. Doch wie kann man es identifizieren und bestenfalls agieren? Wie kann auf das bereits hohe individuelle Anspruchsdenken auf  Leistungen von Staat und Gesellschaft geantwortet werden, ohne diese Erwartungshaltungen fortzuschreiben? Ambivalent, denn zugleich entstehen Fragen nach der Stärkung der persönlichen Verantwortung und Zuständigkeit.

Nach jeweils zwei gut gefüllten Tagen mit Identifikation und Reflexion nach innen und außen, Schweißperlen und gemeinsamen Lachen betonten die Teilnehmenden, wie wertvoll sie den Austausch in diesem vertrauensvollen Rahmen empfunden haben. Wir freuen uns auf die Fortsetzung: Im September und Oktober 2026 wird jeweils ein zweites Modul folgen, zum Teil ergänzt mit eigenen thematischen Anregungen der Teilnehmer*innen, wie sie Führungssituationen begegnen und gestalten.

Wir danken der Auridis Stiftung ausdrücklich; erst durch ihre Förderung wird der direkte Austausch von Führungskräften zu Transformation und Veränderungsprozessen auf kommunaler Ebene in diesem geschützten Raum möglich!

Bildquelle: IKPE e.V.

Die vergangenen Monate standen im Programm „Thüringer Präventionsketten“ ganz im Zeichen von Austausch, Vernetzung und fachlichem Lernen. In verschiedenen Veranstaltungsformaten kamen Kommunen aus Thüringen und anderen Bundesländern zusammen, um Erfahrungen zu teilen und Impulse für die Weiterentwicklung kommunaler Präventionsketten zu gewinnen.

Den Auftakt bildete das Thüringer Online-Fachgespräch „Einblicke in den Offenbacher Aktionsplan gegen Kinderarmut“ am 29.04.2026. Karin Bahlo (Präventionskettenkoordinatorin und Kita-Fachberaterin) und Bernd Hormuth (stellvertretender Amtsleiter des Jugendamtes) aus Offenbach berichteten über die Entwicklung des Aktionsplans, die Arbeit der Steuerungsgruppe sowie den kommunalpolitischen Entscheidungsprozess. Als wichtige Erfolgsfaktoren wurden die hochrangige Verankerung des Themas, eine partizipative Bedarfserhebung sowie die Bündelung relevanter Akteur*innen benannt.

Am 12.05.2026 fand in Bad Hersfeld der erste länderübergreifende Austausch der kommunalen Koordinierenden aus Hessen und Thüringen, organisiert gemeinsam mit der Landeskoordinierungsstelle Präventionsketten Hessen (HAGE), statt. Im Mittelpunkt standen Fragen der Beteiligung von Kindern und Familien, der verwaltungsinternen Zusammenarbeit sowie des Aufbaus kommunaler Präventionsketten. Der Austausch machte deutlich, wie vielfältig die kommunalen Wege zur Gestaltung von Präventionsketten sind.

Die Kooperation zwischen Hessen und Thüringen spiegelte sich auch im dritten Termin der Veranstaltungsreihe „Präventionsketten im Fokus – Erfahrungen von Landkreisen für Landkreise“ am 27.05.2026 wider, an dem rund 60 Interessierte teilnahmen. Einblicke in die Einbindung politischer Entscheidungsträgerinnen in Präventionsketten gaben Myriam Lamotte-Heibroch (Fachbereichsleiterin für Jugend und Familie, Werra-Meißner-Kreis) sowie aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen Monika Simshäuser (Präventionskettenkoordinatorin), Peggy Greiser (Landrätin) und Cornelia Matthes (Fachbereichsleiterin Soziales, Jugend und Gesundheit). Die Praxisbeispiele verdeutlichten, dass Präventionskettenkoordinierende politische Akteurinnen fachlich und menschlich einbinden müssen. Entscheidend sind dabei einfache Zugänge zur Mitarbeit sowie die verständliche Vermittlung des Mehrwerts von Präventionsketten.

Am 09.06.2026 besuchte das Team die vom 23.05. bis 13.06.2026 in der Goethe Galerie gezeigte Kinderrechte-Ausstellung in Jena. Die Wanderausstellung vermittelt Kindern die Inhalte der UN-Kinderrechtskonvention altersgerecht und interaktiv.

Den Abschluss des Quartals bildete das Thüringer Online-Fachgespräch „Kinderbeteiligung leben – Der Kindergipfel des Landkreises Gotha“ am 24.06.2026. Nicole Schüttlöffel-König (Sozialarbeiterin im Jugendamt des Landkreises Gotha) und Andreas Jakob (Jugendamtsleiter des Landkreises Gotha) berichteten über Erfahrungen und Gelingensfaktoren des langjährig etablierten Beteiligungsformats.

Die vielfältigen Stationen der vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig der Blick über kommunale und Landesgrenzen hinweg für die Weiterentwicklung kommunaler Präventionsketten ist.

Bildquelle: IKPE e.V.