19.07.2017

Kommunale Bedarfsanalysen

Vernetzt denken – strategisch Handeln

Die öffentliche Verwaltung steht seit Jahren unter einem hohen Veränderungsdruck. Sie muss auf die ökonomischen und demografischen Herausforderungen reagieren und wird gleichzeitig selbst durch diese Veränderungen geprägt. Gerade der Widerspruch zwischen sinkenden Ressourcen und wachsenden Aufgaben wird sich nicht dadurch auflösen lassen, weiterhin isoliert und innerhalb weitgehend voneinander unabhängig operierender Verwaltungsstrukturen Probleme monolithisch zu bearbeiten.

Angesichts der Komplexität dieser Herausforderung bedarf es einer strategischen Steuerung in Kommunen. Nur wenn ausgehend von gemeinsam definierten Zielen Handlungsbedarfe und -optionen transparent sind und abgestimmte Maßnahmen umgesetzt werden, wird die Verwaltung auch in der Zukunft politische Vorgaben erfolgreich umsetzen können und im Interesse der Bürgerinnen und Bürger handeln. Dies kann nicht durch Adhoc-Entscheidungen gelingen, sondern erfordert ein systematisches Vorgehen.

Empirische Bedarfsanalysen in der strategischen Steuerung

Ein wesentlicher Bestandteil der Planung von abgestimmten Angeboten im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich ist es, die Bedarfe sowie die fachspezifischen Anforderungen der Zielgruppen und Themenbereiche genau zu benennen und zu analysieren sowie deren Querverbindungen zu erkennen. Bedarfe werden durch eine Vielzahl von dynamischen Einflussgrößen mitbestimmt. Dabei sind politische und makro- sowie mikrogesellschaftliche Entwicklungen zentrale Faktoren.

Bedarfsanalysen zielen darauf ab, ausgehend von Anhaltspunkten und Informationen, die während der (Prozess-)Datenerhebung gesammelt werden, Rückschlüsse auf die Entwicklung bestimmter Bedarfe der Bevölkerung zu ziehen. Generell geht es hierbei um einen Soll-Ist-Vergleich. Die Analysen können auf Ebene des Individuums, auf Ebene einer Organisation bzw. einer Einrichtung oder auf gesellschaftlicher Ebene ansetzen. Innerhalb von Bedarfsanalysen wird davon ausgegangen, dass ein Bedarf grundsätzlich vorliegt und bekannt ist. Sie zielen folglich nicht auf die Erkennung von Bedarfen, sondern auf deren verstehendes Beschreiben und die Ableitung möglicher Handlungsoptionen zur Bedarfsdeckung. Ziel ist die Entwicklung bedarfsgerechter Angebote und die Unterstützung der Entscheidungsträger/innen in den Verwaltungen und Kommunalparlamenten.

Wenngleich im Hinblick auf die Datenlage in vielen Kommunen die Voraussetzungen hierfür gegeben sind, so bleiben aktuelle Bedarfsanalysen hinsichtlich ihrer Reichweite in dem Maße beschränkt, in dem es nicht gelingt, fachbereichsübergreifend und auf Grundlage vernetzter Strukturen miteinander zusammenzuarbeiten.